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Mitten im Werktag.
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Mitten im Werktag.

Erschienen 1985. - Broschur.

36 S., Abb. Der Einband ist leicht berieben und bestoßen, ansonsten ein sehr gutes und sauberes Exemplar ohne Anstreichungen. - Vorwort - Den Sprung vom Stuhl auf die Lehne vollziehen. Jede Phase der Entwicklung der Kunst versammelt in sich eine Vielfalt von Stilen, Haltungen, Denkansätzen, Auffassungen. Es gibt Künstler, die sich dort, wo einst Neuland war, bewegen, einrichten, Aspekte vertiefen, und solche, die Land gewinnen, indem sie Bekanntes zurücklassen, sich davon absetzen. Auf letztere ist zurückzuführen, daß nahezu jedes Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gekennzeichnet ist durch eine ganz spezifische zuvor nie dagewesene - Einstellung dem Leben, der Gesellschaft und auch der Kunst gegenüber. Anstoß und Anlaß zu diesen schubweisen Bewußtseinsveränderungen sind die technologischen, wissenschaftlichen, kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen, die vor allem den Geist eines jeden Zeitabschnitts prägen, die Ängste und Wünsche, Freude und Leid des einzelnen wie auch der Gesellschaft beeinflussen. Es sind Künstler und Denker da mit besonders sensiblen Antennen ausgestattet die auf leiseste Veränderungen seismographisch reagieren. Oft sind sie die ersten, die uns den Spiegel der Zeit, die wir gerade durchleben, vor Augen halten, die uns Umbrüche und sich anbahnende Verhaltensänderungen umgehend signalisieren. Anfang der 80er Jahre ist auf dem Wege der Kunstentwicklung erneut eine relativ radikale Kursänderung in der Malerei wie auch der Plastik ablesbar. Was die skulpturale Kunst zumindest die in dieser Ausstellung gezeigte - angeht, so zeichnet sich hier eine Haltung unserer jüngsten Künstlergeneration ab, die in vielerlei Hinsicht absolut neu ist und die sich auf die lapidare Formel bringen läßt: Und wenn der ganze Schnee verbrennt, die Asche bleibt uns doch! Hinter dieser Einstellung verbirgt sich kein Desinteresse an gesellschaftlichen Fragen, auch keine Endzeitstimmung, eher schon eine Art Überlebensstrategie, eine grundsätzlich von Hoffnung, Optimismus und einem Quantum Utopie getragene kritische Lebensphilosophie. Entfernt von extremen politischen Forderungen und Aktivitäten, sich auch nicht identifizierend mit einer Null- Perspektive, einem no-future-Defaitismus, nistet man sich ein zwischen den Absurditäten einer dennoch lebens- und liebenswerten Welt. Jede Sicht der Dinge ist, wie jeder weiß, vor allem eine Frage des Standpunktes: Durch einen "Sprung vom Stuhl auf die Lehne" (Bogomir Ecker) kann verrücktes, widersinniges Weltgeschehen eher stimulieren als lähmen. Die Freude, scheinbar unumstößliche Alltäglichkeiten ad adsurdum zu führen (und damit infrage zu stellen) ist ebenso unverkennbar wie die spielerische Attitüde bei den hier zur Schau und Diskussion gestellten Arbeiten. Spielen wird nicht begriffen als Therapiesondern als Quelle steter Lustgefühle. Bildnerische, kunstimmanente Fragen, Analysen von Form und Material, die das künstlerische Schaffen des 20Jahrhunderts bestimmten, treten zurück, verlieren an Relevanz angesichts des Bedürfnisses, rundum Mensch sein zu dürfen ganz im Sinne Schillers: "Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt." Sich des Nächstliegenden, des Alltäglichen zu bedienen, liegt nahe. Der Künstler mitten im Werktag - geht spielerisch mit den uns vertrauten Gegenständen und Materialien um, indem er siebeispielsweise ihrer gewohnten und geschätzten Funktionen beraubt, sie in Paradoxa verwandelt, sich über sie lustig macht, ihnen den Reiz von "Spielzeugen" verleiht, sie zum Sprechen einer neuen Sprache bringt oder sie in den Status von Lebewesen erhebt, aber auch, um mit ihnen an die Fragwürdigkeit unserer Gewohnheiten zu erinnern, um an ihnen Kritik festzumachen oder ihre tieferen Bedeutungsschichten freizulegen. Vor allem aber will er uns teilnehmen lassen an seiner Sicht der gegenwärtigen Situation: zuzugeben sehr vertrackt, aber keineswegs aussichtslos, vor allem aus der Perspektive einer Stuhllehne. Laßt uns vom Stuhl auf die Lehne springen! Sehr herzlich danken wir den Künstlern für ihre vielseitige und anregende Mitarbeit beim Aufbau der Ausstellung und der Erarbeitung des Katalogs. Auch den Leihgebern gilt unser großer Dank dafür, daß sie uns wichtige Arbeiten überlassen haben. Ganz besonders dankbar sind wir Dr. Annelie Pohlen, die nicht nur diese Ausstellung konzipierte, sondern verantwortlich sowohl die Gestaltung und Redaktion des Katalogs als auch die Realisierung der Ausstellung übernommen hat. - Margarethe Jochimsen.
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Produktart:
📚 Bücher
Autor(en):
Pohlen, Annelie, Margarethe Jochimsen Ursula Eisenbach u. a.:
Anbieter:
Fundus-Online GbR Borkert, Schwarz, Zerfaß
Bestell-Nr.:
1245497
Lagerfach:
3657
Katalog:
Kunst
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Zahlungsarten:
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